Zennichi sei no konton - Vollzeit- Chaos

Karen beginnt ihren ersten Schultag und ihr neues Leben in Japan. Sie fühlt sich unwohl, auch ihr sympatischer neuer Sitznachbaer kann dies nicht ändern. Sie spricht kein Wort Japanisch ...

 

 

Karen war genervt. Der Wecker klingelte – 6.30 Uhr. In Deutschland mußte sie erst um 7.15 Uhr aufstehen, welch ein Schlafverlust.

Mürrisch schob sie die Decke beiseite und setze sich aufrecht auf den Futon. Ja, ein Futon. Jonathan versprach ihr, sich um ein Bett zu kümmern.

Jonathan, Karens Vater, hatte eine neue Jobperspektive in Akina erhalten. Karen war geschockt, als ihr Vater ihr eröffnete, daß sie abermals umziehen und das auch noch in ein anderes Land.

Sie hatte es satt, ständig den Wohnort wechseln zu müßen. Seit ihrem 6. Lebensjahr kam sie sich wie eine Nomadin vor.

Aber keine Zeit, jetzt darüber nach zudenken. Skeptisch betrachtete Karen ihre neue Schuluniform. Es war eine typische, japanische Sailorfuku. Seufzend schlüpfte sie in Rock und Bluse und machte sich die Haare zurecht.

Die Tür ging auf und Jonathan stand im Rahmen.


Jonathan: „Guten Morgen. Du weißt, wie du zum Bahnhof kommst und welchen Zug du Richtung Stadtmitte nehmen mußt?“

Karen: „Ich habe eine Karte und eine Beschreibung, ich komme schon klar!“


Jonathan schaute sekundenlang bedrückt zu Karen, schloß die Tür aber dann wieder. Karen konnte seine Schritte im Flur hören und wie er das Haus verließ.

Sie nahm besagte Karte und Beschreibung vom Schreibtisch und stecke diese in ihre Schultasche. Dabei fiel ihr Blick auf ihre neuen Bücher und Lernmaterialien.

Seufzend wurde ihr wieder klar, daß sie nicht drei Sätze Japanisch sprechen kann. Das wird ein toller Schultag...


Karen schloß die Haustür hinter sich und ging die Straße hinunter. Noch war nicht viel los auf den Straßen Akinas, aber sie wohnte auch ein wenig abseits. Lediglich die ältere Dame öffnete die Rolladen ihres Tofuladens. „Ohaio gozaimsu!“ grüßte die nette Dame und Karen verbeugte sich höflich.

Sie verstand schon etwas Japanisch, wie das „Guten Morgen“, jedoch wird sie lange brauchen, bis sie sich in der Schule und im Unterricht zurecht findet. Ein klein wenig Angst machte sich in ihrer Magengegend breit.


Am Bahnhof schaute sie noch einmal in ihre Tasche. Jonathan hatte ihr extra eine Fahrkarte gekauft, sodaß sie nicht jeden Morgen Zeit am Automaten verschenkt. Ein Blick in ihre Beschreibung verriet Karen, daß ihr Zug Richtung Stadtmitte auf Gleis 2 einfährt.

Der Bahnsteig war leer. Sie hatte ehrlich mit mehr Menschen gerechnet. Im Fernsehen sah man doch immer, wie sich die Menschen in den U- Bahnen drängten; aber das wird wohl nur in Tokyo so sein.

Der Zug fuhr pünktlich ein und Karen suchte sich einen Sitzplatz. Ein Geräusch auf dem Bahnsteig, das einem Telefonklingeln sehr ähnlich kam, signalisierte, daß sich die Türen schließen und der Zug losfahren wird.

Auf der Anzeigetafel im Zugabteil erschienen die Worte „machinaka“.

Oh, nur eine Haltestelle muß ich fahren,“ dachte sich Karen und stellte sich schon wieder an die Tür des Abteils. Ohne ihre Beschreibung hätte sie die Worte auf der Tafel gar nicht lesen können und wäre wahrscheinlich bis nach Saitama gefahren ...


Der Zug fuhr im Bahnhof Akina- Machinaka ein und Karen fand sich auf dem Bahnsteig wieder. Jetzt bemerkte sie auch andere Jugendliche, die dieselbe Uniform wie sie trugen. Also müßten sie ja auf dieselbe Schule gehen. Karen fragte sich, ob manche der Schüler in ihre Klasse gehen. Sie spürte einen kurzen, aber heftigen Stoß in die Seite, fing sich jedoch wieder und blickte einen Jungen an.

Der schaute sie nur kurz an „gomen ne“ und verschwand, wie die anderen Schüler, in Richtung Ausgang.

So was unhöfliches,“ dachte sich Karen, zupfte sich den Rock zurecht und ging auch zum Ausgang.

Laut ihrer Beschreibung müßten es nur wenige hundert Meter sein, dann könnte sie schon die Schule und den großen Schulhof sehen.

Sie war noch nie zuvor hier, ihr Vater hatte sie an dieser Schule angemeldet. Karen mußte in einem Institut eine Aufnahmeprüfung für diese Schule ablegen. Diese konnte sie Gottseidank auf Englisch schreiben, sonst hätte sie wahrscheinlich keine Schule angenommen.


Karen bog um die Ecke und erblickte ihre neue Schule. Sie wirkte sehr groß und machte einen strengen Eindruck auf Karen. Sie schluckte und ging durch die Tore auf den Schulhof, wo sich schon viele Jugendliche versammelten.

Karen hatte das Gefühl, von allen Seiten beobachtet und angestarrt zu werden. Tatsächlich guckten vereinzelt Schüler ihr nach.

Viel Zeit sich darüber Gedanken zu machen hatte Karen nicht, denn es läutete bereits das erste Mal. Sie schloß sich der Schülermasse an und betrat das Gebäude. Sofort vielen ihr eine Menge Bänke und Schränke auf.

Achja, ich muß mir Hausschuhe anziehen,“ erinnerte sie sich. Auf ihrem Zettel stand die Nummer ihres Faches: 147. Es dauerte nicht lange, da fand sie das Fach auch vor und platzierte dort ihre Straßenschuhe.

Mit Schultasche und Hausschuhen gewappnet suchte sie nach einem Wegweiser, jedoch scheint es sowas hier nicht zu geben. Ein Blick den Gang hinunter verriet ihr doch, daß sich ihre Klasse, die Klasse 1 C, im Erdgeschoß befand.

Sie wartete, bis alle Schüler in ihren Klassen verschwunden waren und der Lehrer das Zimmer betrat. Dann klopfte auch sie an der Tür und trat mit gesunkenen Kopf an das Lehrerpult heran.


Karens Hände zitterten vor Nervösität, als sie dem Lehrer ihre Schulbescheinigung in die Hand drückte. Sie verbeugte sich und stotterte „Konnichiwa, sensei“. Sie hatte das mindestens 52 Mal vor dem Spiegel geübt, aber nun brachte sie die Worte trotzdem nicht flüssig über die Lippen.

Der Lehrer jedoch war sehr freundlich und begrüßte Karen:


Good Morning, Karen. My Name ist Futosama- sensei. Let me welcome your to our class. Please take a sit at this free place near Hiroshi.“


Karen war erleichtert. Der Lehrer sprach Englisch! So könnte sie sich immer an ihn wenden, wenn sie ein Problem hatte.

Sichtlich erfreut setzte sie sich auf den freien Platz neben dem Jungen. Dieser nickte nur stumpf und sah dann wieder nach vorne.


Der Lehrer erklärte wohl den anderen Schülern, daß Karen jetzt neu ist und kaum Japanisch verstand, denn immer wieder blickten Schüler nach hinten zu ihr. Karen schämte sich ein wenig und war gleichzeitig sauer auf ihren Vater.

Jonathan hätte mir echt mehr Japanisch beibringen können,“ fluchte sie in sich hinein. Immerhin hat ihr Vater bereits vor 18 Jahren schon hier gearbeitet und gelebt.

Es half nichts, da mußte sie jetzt durch.


Der Lehrer begann mit dem Unterricht und nach 10-minütigem, aufmerksamen Aufpassen war sich Karen sicher, daß es sich um Mathematik handeln muß. Sie versuchte, sich irgendwie Notizen zu machen, doch der Lehrer sprach sehr schnell und sie konnte nicht alles auf der Tafel lesen. Wenigstens benutzte er arabische Ziffern ...

Schüchtern blickte sie nach links. Hiroshi schrieb konzentriert in sein Heft. Karen wollte ihn ansprechen und um Hilfe bitten, aber sie wußte nicht wie.

Sie beobachtete ihn. Er sah gut aus und hatte etwas in seinen Augen, was sie faszinierte. Seine kurzen schwarzen Haare kräuselten sich leicht im Nacken.

Plötzlich sah Hiroshi auf und Karen direkt ins Gesicht.


Hiroshi: „Nani?“

Karen: „Ano ... sumima- sumimasen ....“


Karen stotterte, sie wußte einfach nicht, was sie sagen sollte. Sie konnte nicht anders und sprach in der Sprache, die sie am besten konnte.


Karen: „You are Hiroshi, right? Could you please help me with that mathematics- stuff?“

Hiroshi: „Gomen ne.“


Hiroshi machte ein Gesicht was ausdrücken sollte, daß er kein Wort verstanden hat. Karen war sichtlich überfordert. Ein bisschen Englisch müßte er doch sprechen können!

Sie überlegte. Irgendwie müßte sie sich doch mit Hiroshi verständigen können. Er schaute sie immer noch an. Sie erinnerte sich an diese Klischee- Filme, indenen sich verschieden- sprachige Leute nicht verständigen können.

Karen zeigte mit den Finger auf sich und sagte: „Karen.“


Hiroshis Augen weiteten sich.

Er lächelte leicht und sagte: „Hajimemashite, dôzo yoroshiku, Karen- Chan. Watashi wa Hiroshi desu ka.“


Er zeigte dabei auf sich und Karen verstand. Sie erinnerte sich daran, was Jonathan ihr über die Höflichkeit in Japan erzählt hatte. Auch unter den Schülern herrscht ein respektvoller Ton.

Karen nickte: „Hiroshi- kun?“.

Hiroshi: „Hai!“


Hiroshi lächelte und Karen wurde etwas verlegen. Sie wandte sich wieder nach vorne und versuchte krampfhaft, dem Unterricht zu folgen.


Es läutete.

Der Lehrer verließ den Raum und viele Schüler standen auf, um miteinander zu sprechen. Hiroshi blieb neben Karen sitzen. Fühlte er sich etwa dazu verpflichtet.

Plötzlich stürmte ein aufgebrachter Junge ins Klassenzimmer. Allen Anschein nach ist er nicht in derselben Klasse wie Karen.

Der Junge lief auf Karen zu und ihr wurde etwas mulmig. Dann jedoch sprach er Hirsohi auf Japanisch an. Natürlich verstand Karen kein Wort.


Dann deutete Hiroshi auf Karen: „Karen-Chan.“ Der Junge verbeugte sich und begrüßte Karen:


Osamu: „Hallo, mein Name ist Tanaka-kun. Freut mich, dich kennen zu lernen.“


Karen war sichtlich erstaunt und zugleich viel ihr ein großer Stein vom Herzen: Jemand sprach ihre Sprache!


Karen: „Hi. Ich bin erstaunt, daß du so gut Englisch sprechen kannst.“

Osamu: „Ich habe es von meinen Eltern beigebracht bekommen, sie haben vor meiner Geburt in Englang gelebt.“


Interessant, dachte sich Karen. Allerdings ist Osamus Familie wohl aus Japan nach England und dann wieder zurückgezogen.

Hiroshi sprach auf japanisch zu Osamu und dieser richtete sich dann wieder zu Karen:


Osamu: „Hiroshi möchte wissen, wieso du kein Japanisch sprichst.“


Karen wurde rot. Ja, wieso hatte sie eigentlich nicht wenigstens ein bisschen Japanisch gelernt oder ihren Vater darum geben, es ihr bei zubringen?

Immerhin wußte sie schon ein halbes Jahr zuvor, daß sie in dieses Land umziehen wird. Sie wollte nicht unbedingt ehrlich sein.


Karen: „Ich habe er kurz vor dem Umzug erfahren, daß wir nach Japan ziehen. Ich werde aber versuchen, es schnell zu lernen.“


Als Osamu ihre Worte für Hiroshi übersetzte, wandte dieser keine Sekunde seinen Blick von Karen ab. Karen fühlte sich ein wenig unwohl, so von ihm beobachtet zu werden. Als Osamu fertig war, lächete er und sprach wieder zu ihm.

Natürlich übersetzte Osamu auch dies für Karen.


Osamu: „Hiroshi versteht kaum Englisch und du kaum Japanisch. Aber er ist sich sicher, daß ihr miteinander auskommen werdet.“


Karen wurde wieder rot. Ihr neuer Sitznachbar und Mitschüler scheint sich wirklich für sie zu interessieren, oder ist er einfach nur höflich? Osamu unterbrach ihre Gedanken:


Osamu: „Ich muß jetzt wieder in meine Klasse. Aber ich werde euch in der nächsten Pause helfen mit dem übersetzen. Bis dann, Karen- Chan!“


Bevor Karen etwas sagen konnte, nickte Osamu Hiroshi zu und verschwand so plötzlich, wie er gekommen war.

Hiroshi lächelte sie wieder an und deutete auf sein Schulbuch. Karen verstand und holte das selbige aus ihrer Schultasche heraus....


Na das kann ja noch ein heiterer Schultag werden,“ dachte sich Karen, als der Lehrer das Klassenzimmer wieder betrat ....




... weiter geht es in Episode 1x02 !

 






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