Zennichi sei no konton - Vollzeit- Chaos


Karen wußte nicht, wie oder womit sie sich die ganze Stunde über beschäftigen sollte. Sie verstand immernoch kein Wort von dem, was der Lehrer an der Tafel erklärte und selbst Hiroshi konnte ihr nicht helfen. Ob sie den Lehrer nach der Schule um eine englische Einzelunterrichtung bitten sollte?

Sie schlug sich die Idee wieder aus dem Kopf und kritzelte Zeichnungen an den Rand ihres Heftes.


Endlich klingelte es zur Pause. Die Zeit bis zum Läuten kam Karen wie eine Ewigkeit vor. Sie wollte gerade aufstehen, doch blickte zuvor zu Hiroshi hinüber.

Er blieb sitzen und nickte ihr zu, dies auch zu tun. Kaum eine Minute später betrat Osamu das Klassenzimmer und ging winkend auf Karen und Hiroshi zu.


Osamu: „So, ich würde mich freuen, wenn wir uns etwas besser kennenlernen würden, Karen- Chan. Auch Hiroshi würde gerne mehr über dich wissen.“


Karen wurde rot. Woher das Interesse an ihrer Person? Wahrscheinlich, weil sie nicht aus Japan stammt. Sie wollte gerade antworten doch eine weibliche Person störte das Gespräch.

Es war eine hübsche Schülerin, sie sah aus, als hätte sie viele Freunde und sei beliebt. Sie sprach auf Japanisch mit Hiroshi und Osamu. Karen verstand abermals leider kein Wort. Hiroshi sah weg und machte einen verärgerten Eindruck. Osamu würgte das Gespräch mit dem Mädchen ab und wandte sich zu Karen:


Osamu: „Das war Youko Saito. Unsere Klassensprecherin. Außerdem ist sie Vizepräsidentin im Schülerrat. Stör dich nicht an ihr, sie ist sehr eingebildet und wollte nur wissen, was wir mit dir zu tun haben.“

Karen: „Ah ok. Es tut mir Leid, daß ich nicht so gut Japanisch spreche, aber ich bin mir sicher, daß ich schnell lernen werde.“

Osamu: „Mach dir keine Gedanken darüber. Hiro und ich werden dir helfen, Karen-chan.“


Karen war sichtlich erfreut, fragte sich aber dennoch, wieso die beiden so freundlich zu ihr sind. Hiroshi sagte etwas zu Osamu und dieser übersetzte dann, daß die drei auf den Schulhof gehen und etwas zu Mittag essen sollte.


Karen durchsuchte ihren Schulranzen nach ihrer Brotdose. Hektisch warf sie alle Bücher und Hefte auf den Tisch, fand das Gesuchte jedoch nicht. Schon fast panisch sah sie zu Osamu. Dieser konnte sich das Lachen kaum verkneifen.


Osamu: „Kann es sein, daß du dein Bento vergessen hast?“


Karen: „Ehrlich gesagt, war es nur eine einfache Brotdose mit Äpfeln drin. Ein richtiges Bento habe ich nicht gemacht.“


Osamu verzog das Gesicht zu einem erstaunten Ausdruck.


Osamu: „Kein Bento? Ach Gott, dann isst du am Besten von uns etwas mit. Okaasan packt mir eh immer zuviel ein.“


Karen: „Ich möchte aber nicht aufdringlich wirken!“


Osamu: „Ach, das machst du nicht, ich lade dich ein!“


Karen fühlte in diesem Moment, wie Glück in ihr hervorbrodelte. Ihr erster Schultag und sie hat direkt zwei gute Freunde gefunden. Als sie damals nach Deutschland gezogen ist, hatte es mindestens einen Monat gedauert, bevor sie sich mit anderen Kindern angefreundet hatte....


Hiroshi sagte etwas zu Osamu, dann stand er auf und deutete Karen an, daß sie jetzt auf den Schulhof gehen. Karen nickte, lächelte und stand ebenfalls auf. Osamu und Hiroshi gingen vor, Karen einen Schritt dahinter.

Plötzlich drehte sich Hiroshi zu ihr um und sagte etwas auf Japanisch. Danach sah er zu Osamu.

Osamu: „Hiro will wissen, wieso du so weit hinten läufst. Du brauchst dich nicht zu schämen oder denken, daß so etwas nicht gut ist.“


Karen: „Das was nicht gut ist?“


Osamu: „Mit Jungs zusammenlaufen.“


Karen: „Nein Nein, so ist das nicht!“


Karen eilte einen Schritt zuvor und lief nun zwischen Osamu und Hiroshi. Sie wirkte etwas ängstlich, traute sich dann aber doch, etwas zu sagen.


Karen: „Tanaka- Kun, Kangama- Kun, ich hoffe, wir werden gute Freunde“


Osamu: „Das hoffe ich doch auch, denn du bist sehr nett.“


Hiroshi hatte seinen Namen gehört und sprach zu Osamu, sah dabei aber Karen an.


Osamu: „Hiro ist der Meinung, daß du ihn ruhig Hiro nennen kannst. Er mag es nicht, wenn ein nettes Mädchen wie du, ihn mit Kangama- Kun anspricht.“


Karen wunderte sich, verstand aber. Sie möchte nicht unhöflich erscheinen und sah zu Hiroshi herüber.


Karen: „Hiroshi- kun!“


Hiroshi: „Karen- Chan, ich freue mich.“


Karen lächelte. Es ist das erste mal, daß Hiroshi einen vollständigen englischen Satz herausgebracht hat. Das hat er also in der Stunde die ganze Zeit im Vokabelbuch herausgesucht und gelernt. Sie freute sich insgeheim, daß er sich wegen ihr so eine Mühe gab. Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als es in ihrer Tasche vibrierte. Sie hatte ihr Handy total vergessen.


Karen: „Entschuldigt mich bitte.“


Osamu nickte nur und Hiroshi lächelte ihr zu. Karen ging an ihr Handy, die Nummer die im Display angezeigt wurde, war die ihres Vaters.


Karen: „Jonathan, ich bin noch in der Schule, was gibt es?“


Jonathan: „Ich wollte nur hören, ob du den Weg gefunden hast und ob alles in Ordnung ist.“


Karen: „Wieso sollte es nicht? Ich habe jetzt Pause und werde zu Mittag essen.“


Jonathan: „Hm... okay. Dann sehen wir uns heute Abend. Tschüss.“


Karen legte auf und schaltete das Handy direkt aus und stopfte es wieder in die Tasche. Osamu und Hiroshi sahen sie verdutzt an.


Osamu: „Das war aber nicht Englisch, was du am Telefon gesprochen hast.“


Karen: „Oh. Ja. Mein Vater und ich, wir sprechen Deutsch untereinander.“


Osamu: „Wow, du sprichst also Deutsch und Englisch. Das ist toll. Und bald sprichst du auch noch Japanisch!“


Osamu erklärte Hiroshi auf Japanisch, daß Karen mit ihrem Vater telefoniert hat und eine andere Sprache mit ihm spricht. Hiroshi machte ein beidruckendes Gesicht.

Die drei sind mittlerweile auf dem Schulhof angekommen und Hiroshi erblickte eine leere Sitzbank. Er deutete mit einem Nicken auf die Bank und die drei setzten sich.

Osamu packte sein Bento aus. Er hat nicht gelogen, es war voll mir japanischen Leckereien und Süßigkeiten. Hiroshi griff als erstes in die Box. Karen war etwas überrascht, so dachte sie doch, daß Hiroshi sein eigenes Mittagessen bei sich hatte.

Osamu bemerkte ihren Gesichtsausdruck.


Osamu: „Hiroshi hat nie etwas zu Essen dabei. Seine Mutter hat nicht viel Geld und deswegen bringe ich ihm immer etwas mit. Dafür esse ich öfters bei ihm zu Abend, denn wir hängen fast jeden Tag zusammen ab.“


Karen: „Oh ok. Aber es geht mir eigentlich nichts an, wie seine familiären Verhältnisse sind.“


Hiroshi sah Karen an und erzählte ihr etwas auf Japanisch. Karen verstand natürlich kein Wort. Als Hiroshi fertig war, sah sie fragend Osamu an. Hiroshi lachte leise. Karen wurde rot.


Osamu: „Hiro ist der Meinung, daß wir ein gutes Trio abgeben und wir jetzt immer zusammen Mittagessen sollten. Ich werde dir auch etwas in mein Bento packen, wenn du das möchtest. So lernst du ein wenig das japanische Essen kennen.“


Karen: „Das würde mich sehr freuen, aber ich möchte nicht aufdringlich sein!“


Osamu winkte nur ab und übersetzte für Hiroshi. Dieser wiederrum plapperte nun drauf los, sodass Osamu Schwierigkeiten hatte, zu übersetzen.


Osamu: „Hiro möchte wissen, warum du nach Japan gezogen bist, was deine Eltern so machen und wo du vorher gelebt hast. Er mag auch wissen, was du für Musik hörst und ob du gerne ins Kino gehst.“


Karen: „Oh, mein Vater hat ihr eine gute Position in der Firma bekommen. Wir haben vorher in Deutschland gelebt. Es ist eine internationale Firma. Meine Mutter ist leider vor ein paar Jahren gestorben ... Autounfall. Ich höre gerne Popmusik, sogar japanische, auch wenn ich es nicht verstehe. Und Kino mag ich auch, ja“


Hiroshi machte einen ungeduldigen Eindruck. Osamu sollte schnell übersetzen, denn Hiroshi ist sehr neugierig. Als er hörte, daß Karens Mutter tot ist, machte er ein bedrücktes Gesicht. Er antwortete.


Osamu: „Es tut Hiro sehr leid. Er hat keinen Vater. Er hat seine Mutter noch vor Hiro's Geburt verlassen.“


Jetzt machte Karen ein trauriges Geischt. Sie fragte sich, wie es wohl ist, die ganze Zeit nur einen Elternteil zu haben. Abermals wurden ihre Gedanken unterbrochen, als die Schulglocke wieder ertönte. Der Unterricht begann wieder.


Osamu brachte Hiro und Karen noch zu ihrem Klassenraum, bevor er wieder in seinem verschwand.

Karen wollte schon wieder in Gedanken versinken, als der Klassenlehrer das Zimmer betrat und die alle auf Englisch begrüßte.


Hiroshi: „English Lesson“


Karen: „Ich seh schon... wow“


Karen hörte aufmerksam zu, denn ausnahmsweise verstand SIE alles, was der Lehrer sagte und welche Aufgaben er verteilte. Er schrieb zuerst eine Japanisches Wort an die Tafel, dann die englische Übersetzung. Perfekt, Karen schrieb einfach alles verkehrtherum auf und konnte sich so das japanische Wort merken.

Eifrig erledigte die die Aufgaben, die der Lehrer der Klasse auftrug. Ehe sie sich versah, war die Stunde vorbei und die Schule beendet für heute.


Karen: „Wow, die Stunde ging verdammt schnell rum!“


Hiroshi: „Alles geht zu Baum!“


Karen sah ihn an und mußte lachen. Es war nett, daß Hiroshi versuchte mit ihr Englisch zu sprechen, aber die Vokabeln mußte er noch lernen. Sie fragte sich in diesem Moment, woher Osamu so gut Englisch konnte... und wenn man vom Teufeln spricht: Da kam er gerade, um die beiden wieder abzuholen.


Osamu: „Ihr scheint euch ja zu amüsieren. Mußt du auch mit dem Zug fahren?“


Karen: „Ja, ich muß bis Akina Jofu fahren. Ich wohne ein paar Minuten vom Bahnhof entfernt.“


Osamu: „Das trifft sich gut. Eigentlich fahren wir immer mit dem Bus. Ich wohne an der Stadgrenze, aber in Numata, der Nachbarstadt. Ich fahre mit euch bis zum Jofu und dann fahre ich mit dem Bus weiter.“


Karen: „Hiroshi- kun, mußt du auch zum Jofu- Bahnhof?“


Hiroshi hörte seinen Namen, wurde aufmerksam und sah Osamu an. Er übersetzte und Hiroshi antwortete prompt.


Osamu: „Ja, er wohnt in den Apartment- Blöcken am Stadtrand“


Karen: „Da muß ich dran vorbei laufen, dann können wir ja noch zusammen gehen.“


Osamu übersetzte und Hiroshi nickte freundlich.

Karen packte ihre Sachen zusammen und ging mit den beiden in Richtung Bahnhof Machinaka.


Am Bahnhof war es sehr voll. Veile Schüler fahren wohl mit dem Zug. Allerdings standen die meisten Schüler auf dem Bahnsteig in Richtung Takasaki.


Karen: „Osamu- kun, wohnen alle etwa in Takasaki?“


Osamu: „Ja. Takasaki und Numata haben keine eigene Schule, deswegen fahren wir alle nach Akina.“


Karen fühlte sich beobachtet und sah sich um. Tatsächlich, sie erblickte Youko Saito, die, umringt von ihren Freundinnen, Karen, Osamu und Hiroshi beobachtete und zwischendurch ein abfälliges Geischt machte. Karen konnte sich nicht viele Gedanken machen, denn der Zug Richtung Numata fuhr ein.

Die drei stiegen ein und suchten sich einen Sitzplatz.

Im Gegensatz zur Redefreudigkeit von eben, sah Hiroshi nun aus dem Fenster und schwieg. Osamu lächelte Karen an und die Durchsage ertönte schon: „Akina Jofu. Akina Jofu.“


Hiroshi stand auf und nickte Osamu zu, dann hielt er seine Hand zu Karen hin. Karen wurde rot und sie wußte nicht, wie ihr geschah und was Hiroshi von ihr wollte.

Hiroshi lächelte und nickte sie an. Karen nahm seine Hand und stand auf. Hiroshi hielt ihre Hand fest, selbst als sie schon auf dem Bahnsteig waren. Jedoch merkte er, daß es Karen sehr unangenehm war und ließ die Hand schließlich los.

Karen, immernoch puterrot im Gesicht, sank den Kopf Richtung Boden und ging still neben ihm zum Ausgang her.

Auf der Straße stellten die beiden fest, daß es angefangen hatte zu regnen. Natürlich hatte keiner von beiden einen Schirm dabei. Dachte zumindest Karen, denn Hiroshi zog einen kleinen Schirm aus der Tasche und spannte ihn über den beiden Köpfen auf.


Nach wenigen Minuten waren die beiden an den Apartmentblocks angekommen. Hiroshi deutete auf ein hohes Gebäude mit der Nummer 5. Karen verstand, hier wohnt er also. Inzwischen wurde der Regen stärker.

Hiroshi drückte ihr den Schirm in die Hand und sagte etwas auf Japanisch. Karen verstand zunächst nicht, daß sie den Schirm mit nach Hause nehmen sollte und ihn Hiroshi am nächsten Tag wieder geben sollte.

Hiroshi nickte und lief dann schnell in den Hauseinang. Dort drehte er sich nocheinmal um und winkte Karen. Karen winkte geistesabwesend zurück und wartete, bis er im Haus verschwand.

Dann ging auch sie in Richtung Heimat....



Weiter geht es in Episode 1x03 ... !








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