Zennichi sei no konton - Vollzeit- Chaos

Regen prasselte ans Fenster. Karen saß auf der Fensterbank in ihrem Zimmer. Die Beine angewinkelt und das Gesicht in den verschränkten Armen vergruben. Sie weinte bittere Tränen.

Die letzten beiden Tage war sie nichtmal in der Schule, sondern entschuldigte ihr Fehlen mit starker Migräne. Alle paar Minuten klingelte ihr Handy - SMS oder verpasste Anrufe von Osamu.

Eine Woche ist es nun her, daß sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurde: Hiroshi Kangama ist ihr Halbbruder. Ihr Vater hatte vor ihrer Geburt eine Affäre!

Was sollte sie nur tun? 

Jonathan war seit drei Tagen geschäftlich unterwegs und kam erst spät abends nach Hause, nachdem Karen sich schon in den Schlaf geweint hatte ...

Die ersten Tage waren okay. Karen ging normal zur Schule und verbrachte ihre Pausen und Freizeit mit Hiro und Osamu. Doch es wurde immer schlimmer: Je mehr sie Hiro lächeln sah oder sich freute, weil Karen's Japanisch immer besser wurde.

Auch trug Hiro dazu bei. Jeden Tag brachte er ihr eine Kleinigkeit mit; sei es ein Anhänger für ihr Handy oder selbstgemachte Süßigkeiten. Zudem kam noch, daß die Klassensprecherin, Youko, etwas gegen die Beziehung zu haben schien:

Ständig warf sie sich Hiro an den Hals oder setzte sich einfach auf seinen Tisch, was Karen innerlich zur Wut trieb. Allerdings bemerkte Hiro sie nicht oder ging nicht auf sie ein - sehr zur Freude von Karen.

Nun saß sie auf ihrer Fensterbank und wußte nicht weiter. Mit wem sollte sie reden? Ihre Freundinnen in Deutschland anrufen? Dort ist es bereits mitten in der Nacht ...

Es klingelte an der Tür und Karen schreckte hoch. Hiro! Sie schnappte sich ein Taschentuch und trocknete sich das Gesicht ab. Sie tapste die Treppe hinunter und öffnete die Tür. Davor stand aber Osamu.

Osamu:        "Karen-chan, Konnichiwa. Ich hoffe, ich störe dich nicht."

 

Karen:          "Osamu-kun, nein. Bitte komm doch herein."

 

Osamu zog sich die Schuhe aus und folgte Karen ins Wohnzimmer. Er setzte sich auf die Couch, während Karen Tee zubereitete, auch eine Eigenart, die sie nun beherrschte: Grundsätzlich immer Tee anbieten, wenn Gäste kommen.

Als der Tee fertig war, schenkte sie sich und Osamut etwas ein und trug das Tablett ins Wohnzimmer.

Karen:       "Was gibt es denn, Osamu- kun?"

Osamu:     "Ich wollte nach dir sehen, da du nicht in der Schule warst, geht es dir gut?"

Karen:       "Ich hatte Migräne- Anfälle. Aber es geht schon wieder besser. Wieso ist... wo... -"

Osamu:     "Hiro? Er ist nicht mitgekommen weil er dachte, er stört dich. Du beantwortest nicht seine SMS und Anrufe."

 

Da überkam es Karen wieder und sie brach in Tränen aus. Osamu wußte nicht wie ihm geschah und er nahm sie in den Arm. Karen schulchzte laut.

 

Osamu:     "Aber Karen- chan was hast du? Stimmt etwas zwischen dir und Hiro nicht?"

 

Nachdem satz konnte sich Karen gar nicht mehr halten und sie heulte abermals laut los. Nach einigen Minuten hatte sie sich beruhigt und fing leise an:

 

Karen:      "Osamu- kun, ich habe etwas schrekliches herausgefunden. Deswegen können Hiro und ich nicht mehr zusammen sein."

Osamu:    "Was bitte? Hiro ist so glücklich mit dir. Er erzählt mir jeden Tag, wie sehr er sich freut, dich zu sehen. Was ist passiert?"

 

Karen überlegte lange, ob und wie sie es Osamu erzählen sollte.

 

Karen:      "Hiro und ich... wir... er... wir haben den selben Vater."

 

Osamu machte große Augen und einen Gesichtsausdruck, als würde er nicht glauben, was er da gehört hatte ...

 

Osamu:    "Aber das bedeutet ja, daß ... du und Hiro ... ihr-"

Karen:      "Wir sind Halbgeschwister."






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